Wir sehen eine Reihe wichtiger Veränderungen, die 2017 positive Auswirkungen auf den Pflegesektor haben werden. Daher sind wir fest davon überzeugt, dass 2017 das Jahr der Pflege werden wird. Hier sind unsere 7 Gründe: 

Grund 1: Die Politik setzt umfassende Reformen mit zahlreichen Verbesserungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige um

Die Bundesregierung hat mit dem Pflegestärkungsgesetz II die weitreichendste Reform seit der Einführung der Pflegeversicherung verabschiedet. Das Gesetz ist bereits vor einem Jahr in Kraft getreten, die wichtigsten Umstellungen erfolgen allerdings erst jetzt zum Jahresanfang 2017. Im Mittelpunkt der Reform steht der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und die neuen Pflegegrade, die das alte System der Pflegestufen ablösen und damit individuellere Leistungen für Pflegebedürftige ermöglichen. Insbesondere für die ambulante Versorgung von Pflegebedürftigen steht auch mehr Geld zur Verfügung und die Stellung der pflegenden Angehörigen wird verbessert. Wir sehen darin ein sehr positives Signal; die Politik hat die Relevanz der Pflege für unsere Gesellschaft erkannt und demonstriert Handlungsbereitschaft. 

Grund 2: Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen sind per Gesetz gleichgestellt

Es klingt sehr logisch, doch bislang bezog sich der Begriff der Pflegebedürftigkeit im Gesetz vor allem auf die körperlichen Beeinträchtigungen. Durch einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff im Rahmen des Pflegestärkungsgesetz II bekommen ab diesem Jahr nun auch Menschen mit geistigen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Grundlage dafür ist ein neues Begutachtungsinstrument, das sich nicht mehr daran orientiert, wieviel Zeit ein Mensch pro Tag Hilfe benötigt, sondern wie selbstständig der Alltag bewältigt werden kann, welche Fähigkeiten in zentralen Lebensbereichen noch vorhanden sind und wieviel Unterstützung notwendig ist.

Wir sehen in dem neuen Gesetz einen großen und wichtigen Schritt, nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die pflegenden Angehörigen, die aufgrund des hohen Betreuungsaufwands speziell bei demenziell erkrankten Familienmitgliedern persönlich stark belastet werden. Um die Auswirkungen zu verdeutlichen: In Deutschland leben gemäß der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gegenwärtig fast 1,6 Millionen Demenzkranke und Jahr für Jahr treten etwa 300.000 Neuerkrankungen auf. Die Gleichstellung von Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen ist dementsprechend eine wichtige und längst überfällige Reform.

Grund 3: Die Einführung der neuen Pflegegrade ermöglicht eine individuellere Versorgung von Pflegebedürftigen

Ein weiterer, elementarer Grundbaustein des neuen Pflegestärkungsgesetz II sind die neuen Pflegegrade, die das alte System der Pflegestufen ablösen. Aus den bisher drei Pflegestufen werden ab diesem Jahr fünf Pflegegrade. Dank dieser feineren Abstufung der Pflegebedürftigkeit ist eine individuellere Versorgung möglich, indem die Leistungen der Pflegeversicherung genauer an die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Personen angepasst werden können.

Die Umstellung in die Pflegegrade läuft automatisch. Pflegebedürftige, die noch mittels der alten Pflegestufen eingestuft wurden, werden automatisch von der bisherigen Pflegestufe in den nächsthöheren Pflegegrad eingestuft. Wenn zusätzlich eine eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt, wie zum Beispiel Demenz, werden Pflegebedürftige in den übernächsten Pflegegrad eingestuft. Wir halten eine zugeschnittene Versorgung für Pflegebedürftige mit individuellen Leistungen für einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Grund 4: Mehr finanzielle Unterstützung für die ambulante Versorgung von Pflegebedürftigen

Mit den neuen Pflegegraden werden auch die Geldleistungen der Pflegekassen neu aufgestellt. Das neue Pflegestärkungsgesetz II verfolgt weiterhin konsequent das Prinzip „ambulant vor stationär“. Insbesondere für die zumeist zu Hause versorgten Demenzkranken mit ehemals Pflegestufe 0 und Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 1 werden die Leistungen besonders deutlich erhöht. So werden Pflegebedürftige mit der alten Pflegestufe 0 und eingeschränkter Alltagskompetenz beispielsweise direkt in den neuen Pflegerad 2 eingestuft und erhalten anstatt 123 Euro monatlich 316 Euro Pflegegeld.

Sogar 545 Euro monatlich erhalten Pflegebedürftige der alten Pflegestufe 1 mit vorhandener Einschränkung der Alltagskompetenz, sie erhielten vorher nur 316 Euro Pflegegeld monatlich. Die monatlichen Beträge bei Bezug von Pflegesachleistungen fallen ebenfalls entsprechend höher aus. Der Pflegeleistungs-Rechner des Bundesministeriums für Gesundheit  gibt Aufschluss über die neuen Ansprüche für Pflegebedürftige. Die Änderungen in der Pflegeversicherung sollen dafür sorgen, die Pflege zu verbessern und niemanden zu benachteiligen, deshalb werden Pflegebedürftige, die vor diesem Jahr eingestuft wurden und durch das neue System weniger Geld bekommen würden, durch den Bestandsschutz der Pflegeversicherung abgesichert und erhalten die bisherigen Leistungen.  

Grund 5: Bessere Stellung von pflegenden Angehörigen

Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen in Deutschland wird durch die eigenen Angehörigen zu Hause versorgt. Deshalb spielen die Angehörigen in der Pflege eine extrem wichtige Rolle. Doch leider kann die Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen für die Betroffenen selbst sehr harte Einschnitte bedeuten. Durch folgende Veränderungen im Rahmen des Pflegestärkungsgesetz II wird ihre Stellung zumindest verbessert: 

Pflegende Angehörige werden künftig besser sozial abgesichert. Ab 2017 zahlt die Pflegekasse Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung für Angehörige, die einen Pflegebedürftigen zu Hause pflegen, bereits ab zehn Stunden wöchentlicher Pflege, verteilt auf regelmäßig zwei Tage in der Woche. Auch übernimmt die Pflegekasse Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, wenn wegen der Versorgung eines Angehörigen die versicherungspflichtige Beschäftigung unterbrochen oder aufgegeben wird. Nach wie vor sind pflegende Angehörige während der Pflegetätigkeit gesetzlich unfallversichert und können Pflegeunterstützungsgeld sowie Lohnersatzleistungen (Familienpflegezeit- und Pflegezeitgesetz) beziehen. 

Des Weiteren werden pflegende Angehörige durch bessere Leistungen und flexiblere Kombinationsmöglichkeiten von Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege sowie Verhinderungspflege erheblich entlastet. Ein kostenfreier Pflegekurs der Pflegekassen und Anspruch auf individuelle Pflegeberatung sind weitere Verbesserungen für pflegende Angehörige. 

Grund 6: Immer mehr Pflegekräfte entscheiden sich für alternative Arbeitsformen

Wir sehen anhand der vielen Registrierungen von professionellen Pflegekräften auf unserer Plattform eine starke Offenheit für alternative Arbeitsformen, sei es beispielsweise im Rahmen einer Selbstständigkeit im Nebenberuf oder in der Freiberuflichkeit. Im Vordergrund steht dabei ein wachsendes Bedürfnis nach mehr Wertschätzung und Selbstbestimmung, denn als fester Mitarbeiter kann man die teilweise starren Strukturen und Abläufe von Unternehmen nur schwer durchbrechen und der ständige Druck sowie fehlende Zeit für den einzelnen pflegebedürftigen Menschen lösen bei Vielen auf Dauer Unzufriedenheit aus. Die Bereitschaft, neue Arbeitsformen auszuprobieren und Lösungen außerhalb bestehender Strukturen zu suchen, werten wir als sehr positiv und fühlen uns in unserer Mission bestärkt, mehr Menschennähe, Fürsorge und Zeit für den Einzelnen in der Pflege einzusetzen. Auch die Bertelsmann-Stiftung schlussfolgert in ihrem Pflegereport 2030, dass sich die drohenden Versorgungslücken durch professionelle Pflege allein nicht schließen lassen. "Nur ein konsequenter Vorrang der ambulanten Pflege - etwa unter Integration zivilgesellschaftlichen Engagements - kann die Lücken entschärfen."

Grund 7: Immer mehr Startups widmen sich dem Thema Pflege

Startups stehen ja bekanntlich für Dynamik und Innovation. Und genau diese bringen sie jetzt in den Pflegesektor. Neben Pflegix haben sich beispielsweise mit Aklebia, Careship und Veyo Care inzwischen eine ganze Reihe weiterer Startups dem Thema Pflege, Senioren und dem Thema Altern verschrieben. Das finden wir stark, denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft und desto mehr Startups sich der Thematik widmen, umso stärker rückt sie in den Vordergrund der Öffentlichkeit.