Angehörige spielen bei der Versorgung von Pflegebedürftigen in Deutschland eine wichtige Rolle. So werden 48 Prozent der Pflegebedürftigen ausschließlich durch Angehörige und weitere 24 Prozent gemeinsam mit Pflegediensten versorgt.* Auf Grund der dauerhaften Pflegebelastung kommt es jedoch häufig zu eigenen gesundheitlichen Problemen bei den Pflegenden in Form von körperlichen, geistigen, sozialen und/oder seelischen Beeinträchtigungen, sodass im Laufe der Pflegezeit zirka ein Drittel der pflegenden Angehörigen selbst erkranken.** Leiden die pflegenden Angehörigen, so leidet folglich auch die Versorgung der zu pflegenden Person mit. Deshalb ist es umso wichtiger, dass auch pflegende Angehörige entsprechende Ruhezeiten erhalten und Ersatz parat steht, wenn sie auf Grund einer eigenen Erkrankung ausfallen.

Pflegix bietet Abrechnung über Verhinderungspflege - Angehörige wünschen sich darüber hinaus Abrechnung im Rahmen des Entlastungsbetrags

Pflegix bietet zur Entlastung pflegender Angehöriger bereits Leistungen im Rahmen der Verhinderungs- und Ersatzpflege an. Für die Beauftragung einer Ersatzpflege außerhalb der eigenen Familie steht Pflegebedürftigen hierfür ein jährliches Budget von 1.612 Euro zur Verfügung. Dieses Budget kann auf insgesamt 2.418 Euro aufgestockt werden, wenn aus der Kurzzeitpflege keine Leistungen bezogen werden. Bei einem Brutto-Stundensatz von beispielsweise 15 Euro pro Stunde können so bereits 160 Stunden externer, flexibler Hilfe hinzugezogen werden. 

Bei spezialisierten Kräften liegen die Stundensätze jedoch deutlich höher, wodurch sich die Stundenanzahl reduziert. Um pflegende Angehörige weiter zu entlasten und dadurch ihre Pflegekraft länger zu erhalten, ist es deshalb wichtig, dass weitere Budgets, insbesondere im niederschwelligen Bereich, zugänglich gemacht werden. Verständlich deshalb, dass sich viele Familien bei Pflegix eine Abrechnung im Rahmen des Entlastungsbetrags (ehem. Betreuungs- und Entlastungsleistungen) nach §45b SGB XI wünschen. Die hierfür monatlich zur Verfügung stehenden 125 Euro sind jedoch keine flexibel einsetzbare Pauschalleistung, sondern müssen zweckgebunden‚ für Leistungen durch nach Landesrecht anerkannter Angebote zur Unterstützung im Alltag eingesetzt werden’. *** Und genau hier liegt das aktuelle Problem: Entsprechende anerkannte Angebot sind nicht flächendeckend verfügbar oder auf die Stunde gerechnet zu teuer, um eine fühlbare Entlastung bei den Pflegenden zu bewirken. 

Pflegende Angehörige werden gegenüber professionellen Pflegeanbietern finanziell benachteiligt

Erschwerend kommt hinzu, dass pflegende Angehörige im Vergleich zu professionellen Pflegeanbietern finanziell stark benachteiligt werden: So beträgt das Pflegegeld für die vollumfängliche Versorgung eines Pflegefalles im Durchschnitt weniger als die Hälfte des Betrages, auf den Pflegedienst zurückgreifen können. Zum Beispiel erhalten pflegende Angehörige bei Pflegegrad II monatlich nur 316 Euro für die Versorgung einer pflegebedürftigen Person, während Pflegedienste bis zu 689 Euro an Pflegesachleistungen abrechnen können. Bei der Tages- und Nachtpflege wurde bisher sogar nur ein Budget für Sachleistungen vereinbart, sodass Angehörige welche nicht auf die raren Plätze bei institutionellen Dienstleistern zurückgreifen können oder möchten, die Kosten vollständig privat aufbringen müssen.

Koalitionsvertrag weckt Hoffnung auf Verbesserung der Situation für pflegende Angehörige

Pflegix befürwortet eine stärkere Anerkennung und Honorierung der pflegenden Angehörigen und begrüßt deshalb folgenden Passus aus dem vergangene Woche zwischen CDU, CSU und SPD geschlossenen Koalitionsvertrag:

„Um Angehörige besser zu unterstützen, gehören insbesondere Angebote in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie in der Tages- und Nachtpflege, die besonders pflegende Angehörige entlasten, zu einer guten pflegerischen Infrastruktur. Wir wollen die o. g. Leistungen, die besonders pflegende Angehörige entlasten, zu einem jährlichen Entlastungsbudget zusammenfassen, das flexibel in Anspruch genommen werden kann.“ 

Pflegix begrüßt die Initiative der neuen Bundesregierung, denn durch das geplante Entlastungsbudget wird es möglich, Angeboten der Nachbarschaftshilfe und der nebenberuflich Pflegenden wohnortnah auszubauen und besser zu finanzieren. Unsere Hoffnung ist es, dass durch diesen Entschluss nicht nur der bereits bestehende Entlastungsbetrag flexibler eingesetzt werden kann, sondern das Budget auch um Beträge aus der Tages- und Nachtpflege ergänzt wird. Dieses würde aus unserer Sicht zu einer spürbaren Entlastung der pflegenden Angehörigen und damit zu einer Verbesserung der Versorgung im häuslichen Umfeld beitragen. Wir halten die Thematik weiter unter Beobachtung. 

Quellen:
     *Statistisches Bundesamt
   **Pflegewiki
*** Pflegestärkungsgesetz