Nebenberuflich selbstständig machen: 3 Ideen für den 1. Job

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Arbeitszeiten flexibel gestalten; Jobs annehmen, die am besten zu einem passen – viele Menschen spielen mit dem Gedanken, sich im Bereich der Pflege und Alltagshilfe selbstständig zu machen. Der Start ist meist leichter als gedacht...

Nebenberuflich als Pfleger oder Alltagshelfer selbstständig machen – Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Sich im Kleinen selbstständig zu machen, ist sehr leicht möglich und bietet neue Perspektiven. Auf der anderen Seite muss man sich im Voraus mit möglichen Risiken auseinandersetzen. Ein Überblick zu den Vor- und Nachteilen:

Nebenberuflich selbstständig machen – die Vorteile:

  • Geringes Risiko, maximale Erfahrung: Viele in Voll- oder Teilzeit angestellte Arbeitgeber scheuen sich vor der hauptberuflichen Selbstständigkeit. Der Nebenjob bietet eine gute Möglichkeit quasi im Kleinen herauszufinden, ob man Lust auf mehr Unabhängigkeit und Flexibilität hat.

  • Keine Steuern: Solange Du jährlich unter bestimmten Einkommensgrenzen bleibst, werden keine Gewerbe- bzw. Einkommensteuer auf Deine Einkünfte erhoben. (Mehr Informationen weiter unten bei “Was ist ein Kleingewerbe?”)

  • Geringe Einstiegsbarrieren: die Gewerbeanmeldung bzw. Anmeldung als Freiberufler ist meist ohne Probleme möglich. Auch benötigt man für den Einstieg keine große Summe an Geld. Einige Dienstleistungen kann man zudem ohne berufliche Ausbildung anbieten.

  • Breites Spektrum an Dienstleistungen: Ob als Pfleger, Alltagshelfer, Seniorenbetreuer oder Familienhelfer – es gibt viele Möglichkeiten, Geld im häuslichen Umfeld zu verdienen.

  • Einstieg in jeder Lebensphase: Das Nebengewerbe ist nicht nur für Angestellte attraktiv, sondern bietet auch Studenten, Rentnern oder Beziehern von ALG II eine Chance, gutes Geld zu verdienen.

Nachteile der nebenberuflichen Selbstständigkeit

  • Zusatzbelastung: Trotz des leichten Einstiegs fordert die nebenberufliche Selbstständigkeit auch ihren zeitlichen Tribut: Jobs müssen gesucht, vereinbart und Rechnungen geschrieben werden. Außerdem kann Dir die nebenberufliche Selbstständigkeit wertvolle Erholung vom Hauptberuf kosten.

  • Aufwendige Abrechnung: Sind examinierte Pflegekräfte freiberuflich tätig, musst Du nicht-pflegerische Aktivitäten getrennt als Gewerbe abrechnen. (Mehr Informationen weiter unten)

 

Was ist ein Kleingewerbe?

Kleingewerbetreibende sind Personen, die regelmäßig, nach außen erkennbar, auf eigene Rechnung und Verantwortung unternehmerisch tätig sind.

Im Gegensatz zum “normalen” Gewerbe musst Du Dich mit Deinem Kleingewerbe nicht ins Handelsregister eintragen lassen. Du sparst Dir so eine Reihe von aufwendigen Pflichten, wie z. B. die doppelte kaufmännische Buchführung, die Erstellung einer Bilanz, die jährliche Inventur, die Veröffentlichung eines Jahresabschlusses etc..

Welche Steuern fallen beim Kleingewerbe an?

Ein weiterer Vorteil Deines Kleingewerbes: Du musst keine Steuern zahlen bzw. erheben, wenn Du bestimmte Grenzbeträge nicht überschreitest:

Umsatzsteuer

In Deinen Rechnungen musst Du als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer ausweisen, wenn der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr unter 17.500 Euro bleibt und im laufenden Jahr die Grenze von 50.000 Euro nicht erreicht.

Gewerbesteuer

Wenn Du im Jahr unter einem jährlichen Gewinn von 24.500 Euro bleibst, fällt auch die Gewerbesteuer für Dich weg.

Einkommensteuer

Auch die Einkommensteuer entfällt, wenn Du nicht mehr als 9.000 Euro (Stand 2018) im Jahr in Deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit verdienst.

 

Nebenberuflich selbstständig machen – nur womit?

Du suchst Jobs, mit denen Du schnell und unkompliziert Geld verdienen kannst? Die folgenden Ideen hilft Dir dabei, Deine Selbstständigkeit zu planen und zu starten:

Idee 1: Ambulante Grund- und Verhinderungspflege anbieten

Nicht jeder Pflegebedürftige möchte stationär in einer Einrichtung aufgenommen werden. Betroffene oder Familienangehörige entscheiden sich darum für die ambulante Pflege. Im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes von 2016 wurde diese Variante der Pflege noch einmal bestärkt.

Geeignet für:

Personen mit Fachberufsabschluss im Pflegebereich (z. B. examinierte Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger etc.) und/oder Abschluss als Pflegeassistent (z. B. Altenpflegehelfer, Gesundheits- und Krankenpflegehelfer)

Aufgaben:

  • Regelmäßige Grundpflege (auch “direkte Pflege” genannt): Darunter fallen etwa Tätigkeiten der Körperpflege, die Unterstützung beim Toilettengang und der Nahrungsaufnahme sowie bei diversen Bewegungsabläufen im Alltag.

  • Verhinderungspflege: Hier übernimmt eine externe Kraft die Vertretung in der Grundpflege für einen bestimmten Zeitraum, z. B. wenn der Angehörige in den Urlaub fahren, krank geworden sind oder Freizeitaktivitäten nachgehen möchten.

Anmeldung des Freiberufes – so geht’s:

Wenn Du als examinierte Pflegekraft oder als ausgebildeter Pflegehelfer nebenberuflich arbeiten möchtest, musst Du dazu nicht unbedingt ein Gewerbe anmelden. Du gehörst nämlich zur Gruppe der Heilberufe, weshalb Du als Freiberufler arbeiten kannst

1. Schritt: Prüfe, ob ein Gewerbe vorliegt

Tätigkeiten, die nicht unter die Grund- bzw. Verhinderungspflege fallen (z. B. hauswirtschaftliche Tätigkeiten), fallen unter gewerbliche Leistungen. Für diese Dienstleistungen ist es notwendig, ein Gewerbe anzumelden und auch beide Tätigkeitsfelder voneinander zu trennen und abzurechnen.

Bei zugleich pflegerischen als auch nicht-pflegerischen Tätigkeiten macht es darum der Einfachheit halber Sinn, auf die Freiberuflichkeit zu verzichten und nur ein Gewerbe anzumelden. (Eine Anleitung dazu findest Du unter “Idee 2”)

2. Schritt: Melde Dich beim Gesundheitsamt

Finde dazu zunächst heraus, welches Gesundheitsamt für Deine Stadt oder Gemeinde zuständig ist. Beim Gesundheitsamt vor Ort oder auf der Internetseite erhältst Du ein Formular zum Ausfüllen.  

3. Schritt: Gib Deinem Finanzamt Bescheid

Nimm nun Kontakt mit dem für Dich zuständigen Finanzamt auf, um Deine Freiberuflichkeit anmelden. Dies solltest Du innerhalb von zwei Wochen nach Beginn Deiner Tätigkeit tun. Als Kleinunternehmer musst Du jedoch keine Umsatzsteuer ausweisen und bis zu einem Jahresbetrag von 8820 Euro jährlich keine Einkommenssteuer zahlen.

Idee 2: Seniorenbetreuung privat anbieten

Die Grundpflege ist bei weitem nicht das einzige, dass alle Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und deren Angehörige abdeckt. Hier warten zahlreiche Einsatzmöglichkeiten auf nebenberuflich selbstständige Seniorenbetreuer.

Geeignet für:

Grundsätzlich jedermann, der gerne Zeit mit Senioren verbringt. Im besten Fall liegen Erfahrungen mit älteren Familienangehörigen oder Bekannten vor. Bei dieser Arbeit solltest Du je nach Kunden Geduld und Einfühlungsvermögen im Umgang mit anderen Menschen mitbringen.

Mögliche Aufgaben in der Seniorenbetreuung:

Seniorenbetreuer oder Alltagshelfer können eine Reihe von Tätigkeiten außerhalb der Grundpflege anbieten, z. B. in den folgenden Bereichen:

  • Aktivierung & Bewegung: Begleite ältere Menschen auf Spaziergängen, Ausflügen, beim Sport oder bei anderen Freizeitaktivitäten.

  • Mahlzeiten und Getränke: Wenn Du gerne kochst, kannst Du Senioren dabei unterstützen und gemeinsam mit ihnen essen.

  • Technik-Hilfe: Ältere Menschen können Reparaturen im Haushalt oft nicht mehr selbst lösen. Gerade, wenn Angehörige beruflich sehr eingespannt sind, können hier technikaffine Aushilfen gut einspringen.

  • Gesellschaft & Betreuung: Isolation ist ein großes Problem bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Denn genauso wichtig wie die körperliche ist auch die emotionale Versorgung. Wer gerne Zeit mit Menschen aller Altersgruppen verbringt, ist für diese nebenberufliche Selbstständigkeit genau richtig.

  • Transport & Begleitung: Wer ab einem bestimmten Alter auf das Auto verzichtet, verliert zugleich auch ein Stück mobile Unabhängigkeit. Gerade wenn regelmäßige Arztbesuche, Einkäufe oder andere Erledigungen gemacht werden müssen, ist dies für Betroffene und Angehörige sehr belastend. Mit Führerschein und Auto bieten sich hier gute Verdienstmöglichkeiten als Einkaufshelfer an.

Anmeldung zur Gewerbeerlaubnis – so geht’s:

Um als Seniorenbetreuer starten zu können, benötigst Du vorab eine Gewerberbeerlaubnis. Mit den folgenden drei Schritten kannst Du diese ganz leicht beantragen.

1. Schritt: Beim Gewerbe- oder Ordnungsamt anmelden

Wende Dich an das für Deinen Wohnort zuständige Gewerbe- oder Ordnungsamt. Dort wird geprüft, ob bei Dir alle Voraussetzungen zur Aufnahme eines Gewerbes erfüllt sind. Das Gewerbeamt informiert daraufhin verschiedene Stellen, u. a. das Finanzamt, die Industrie- und Handelskammer (IHK), das statistische Landesamt, das Handelsregistergericht und die Berufsgenossenschaft.

2. Schritt: Fragebogen vom Finanzamt ausfüllen

Nach der Anmeldung beim Gewerbe- oder Ordnungsamt musst Du dich beim Finanzamt steuerlich erfassen. In der Regel erhältst Du von diesem einen Fragebogen zur Anmeldung des Gewerbes zugeschickt, den Du ausgefüllt ans Finanzamt zurückschickst.

3. Schritt: Anmeldung bei der IHK

Eine Mitgliedschaft bei der IHK ist auch für nebenberuflich Selbstständige Pflicht. Die Höhe Mitgliedsbeitrags hängt vom geschätzten Jahresgewinn ab und ob dieser zugleich im Handelsregister eingetragen ist. Das Letzteres bei Kleingewerbetreibenden nicht nötig ist, ergeben sich folgende IHK-Jahresbeiträge:

Geschätzter Gewinn pro Jahr Mitgliedsbeitrag
bis 5.199 Euro 0 Euro
5.200 bis 25.600 Euro 51 Euro
mehr als 25.600 Euro 102 Euro
 

4. Schritt: Registrierung bei der Berufsgenossenschaft

Innerhalb von einer Woche nach Gründung Deines Kleingewerbes musst Du Dich auch bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) registrieren. Fülle dazu dieses Formular aus und sende es ausgefüllt an die BGW zurück.

Idee 3: Als Haushaltshilfe vermarkten

Bei Deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit kannst Du Dich auch als reine Haushaltshilfe vermarkten. Dies bietet sich beispielsweise bei jenen Personen an, die reine pflegerische oder betreuerische Aufgaben eher meiden und dennoch die Arbeit in einem häuslichen Umfeld schätzen.

Geeignet für:

Alle Personen, die gerne und effizient im Haushalt anpacken können. Hier ist vor allem Sorgfalt, Gründlichkeit, Ausdauer und Fertigkeiten in der Hauswirtschaft gefragt.

Mögliche Aufgaben als Haushaltshilfe:

  • Reinigung von Böden, Möbeln, Fenstern, Wänden und Decken in diversen Räumen

  • Wäsche: Waschen, Trocknen, Bügeln, Falten

  • Aufräumen

  • Betten herrichten

  • Einkauf von Wasch- und Reinigungsmitteln

  • Ein-und Ausräumen des Geschirrspülers

  • Fegen der Außenanlagen

Haushalts- oder Putzhilfe: Wie melde ich mich an?

Auch als Haushalts- bzw Putzhilfe musst Du Deine nebenberufliche Selbstständigkeit ein Gewerbe anmelden. “Idee 2” findest Du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Gewerbeanmeldung.

 

Selbstständig werden: Als Arbeitnehmer möglich?

Ein klares Ja! Allerdings gibt es ein paar Bestimmungen, die Du dabei beachten solltest.

Nebenberuflich selbstständig als Arbeitnehmer: Was muss ich beachten?

Ein Nebengewerbe zu eröffnen ist zunächst einmal für jeden Arbeitnehmer erlaubt. Es gibt dabei jedoch ein paar Einschränkungen:

  • Die Haupttätigkeit darf nicht unter dem Nebengewerbe leiden.

  • Du darfst Deinem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen

  • Urlaubs- und Krankheitszeiten dienen der Erholung und dürfen nicht für die nebenberufliche Selbstständigkeit genutzt werden.

  • Die Wochenarbeitszeit von insgesamt 48 Stunden sollte auf Dauer nicht überschritten werden und zwischen zwei Arbeitstagen muss eine Ruhezeit von 11 Stunden eingehalten werden.

Auch wenn Du diese Punkte beachtest, solltest Du Deinem Arbeitgeber in Deine Pläne einweihen und mögliche Bedenken ernst nehmen.

Wie bin ich als nebenberuflich Selbstständiger kranken- und rentenversichert?

Wenn Du nebenberuflich als Pfleger, Seniorenbetreuer oder Haushaltshilfe tätig werden willst, bleibst Du üblicherweise über Deinen Arbeitgeber kranken- und rentenversichert. Dafür sollte die Nebentätigkeit jedoch nicht mehr als 20 Stunden pro Woche beanspruchen und das erzielte Gehalt nicht höher als Dein Arbeitseinkommen sein.

Kann ich als Arbeitssuchender in der Pflege oder Alltagshilfe arbeiten?

Auch als Arbeitssuchender darfst Du einer selbstständigen Nebentätigkeit nachgehen. Diese darf jedoch 15 Stunden pro Woche nicht überschreiten und muss dem Arbeitsamt bei Aufnahme gemeldet werden. Es bleiben Dir monatlich 165 Euro (1890 Euro im Jahr) anrechnungsfrei. Sprich Dich in jedem Fall mit dem für Dich zuständige Arbeitsamt bzw. Jobcenter ab.

Selbstständig machen neben dem Studium

Auch als Student kannst Du Dich als Seniorenbetreuer oder Haushaltshilfe selbstständig machen. Du solltest jedoch dabei nicht mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten und nicht mehr als 4880 Euro verdienen.

Rente und Selbstständigkeit

Hier kommt es darauf an, ob Du Alters- oder Erwerbsminderungsrente beziehst. Personen mit Altersrente, die jünger als 65 bzw. 67 sind, dürfen gemäß der Krankenversicherung monatlich 450 Euro hinzuverdienen. Wird dieses Alter überschritten, gibt es keine Verdienstgrenze mehr. Bezieher von einer Erwerbsminderungsrente (100 %) dürfen bis zu 3 Stunden pro Tag arbeiten und nicht mehr als 450 Euro verdienen.

Fazit: Nebenberuflich selbstständig machen in Pflege und Alltagshilfe

Wer sein eigener Chef sein möchte, ohne sofort das ganze Risiko zu tragen, liegt mit einem Nebengewerbe bzw. mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit genau richtig. Ob als ambulanter Pfleger, Senioren-, Alltags- oder Familienhelfer oder als Putzkraft – Möglichkeiten gibt es viele. Vor Deinem ersten Job solltest Du in jedem Fall ein Gewerbe bzw. eine freiberufliche Tätigkeit anmelden. Das geht meist in wenigen Schritten und ohne großen Aufwand. Als Arbeitnehmer solltest Du in jedem Fall Rücksprache mit Deinem Arbeitgeber halten.

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