Stundenweise Verhinderungspflege: die 7 wichtigsten Infos vorab

  1. Verhinderungspflege können Pflegebedürftige erhalten, die mindestens Pflegegrad 2 besitzen.

  2. Verhinderungspflege können nur Pflegebedürftige erhalten, die vorher mindestens 6 Monate von einer Person aus ihrem privaten Umfeld in häuslicher Umgebung betreut worden sind (Pflegebedürftige, die stattdessen von einem Pflegedienst betreut wurden, haben keinen Anspruch auf Verhinderungspflege!)

  3. Verhinderungspflege kann für maximal 6 Wochen pro Jahr genutzt werden.

  4. Die Kosten der Verhinderungspflege übernimmt die Pflegekasse.

  5. Jährlich können bis zu 1.612 Euro in Anspruch genommen werden.

  6. Wird Verhinderungspflege mit der Kurzzeitpflege kombiniert, können sogar bis zu 2.418 Euro im Jahr in Anspruch genommen werden.

  7. Verhinderungspflege kann man bis zu 4 Jahre rückwirkend beantragen.

Was versteht man unter Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege ist eine Art Ersatzpflege, die dazu dient, pflegenden Angehörigen eine Pause einzuräumen, wenn sie für einen gewissen Zeitraum die häusliche Pflege nicht übernehmen können. Stattdessen werden die Aufgaben von externen Helfern übernommen.

Insgesamt kann man die Verhinderungspflege für einen Zeitraum von 6 Wochen (42 Tage) im Jahr geltend machen.

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Stundenweise Verhinderungspflege – wie zeitlich aufteilen? Ein Beispiel

Wie die Verhinderungspflege aufgeteilt wird, bleibt pflegenden Angehörigen selbst überlassen. Sie können stundenweise Verhinderungspflege, tageweise, einzeln oder am Stück erhalten. Folgendes Beispiel zeigt dies: 

Lisa betreut ihre Mutter in häuslicher Pflege. Sie benötigt dreimal die Woche eine Seniorenbetreuung, die stundenweise für ihre Mutter kocht, sich mit ihr unterhält und sie zu Arztbesuchen begleitet. Ab und zu beauftragt Lisa auch eine Haushaltshilfe, die sie bei der Grundreinigung des Hauses unterstützt. Pro Woche kommt sie so auf etwa 12 Stunden. Sie lässt sich dafür im Jahr insgesamt 3,5 Wochen anrechnen.

Warum wird Verhinderungspflege in Anspruch genommen?

Gründe dafür gibt es viele. Zum Beispiel möchten pflegende Angehörige Urlaub machen oder fallen selbst kurzfristig krankheitsbedingt aus.

Verhinderungspflege wird auch genutzt, wenn die pflegenden Angehörigen z. B.  einen Arzttermin haben oder Zeit für andere Erledigungen benötigen. Möglich sind auch berufsbedingte Termine oder Freizeitaktivitäten.

Natürlich kann es jederzeit auch einen unvorhersehbaren Grund geben, wie z. B. einen Unfall. In diesem Fall wird kurzfristig eine Ersatzpflegeperson benötigt, die die Pflege und Betreuung übernimmt.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Verhinderungspflege?

Für den Anspruch auf Verhinderungspflege gelten folgende Voraussetzungen:

  • Der Pflegebedürftige benötigt mindestens Pflegegrad 2

  • Der Pflegebedürftige muss min. sechs Monate in häuslicher Umgebung gepflegt worden sein. Die Pflege muss jedoch nicht durchgängig von der gleichen Person ausgeführt worden sein. 

  • Um das Verhinderungspflegegeld zu erhalten, muss ein Verhinderungspflege-Antrag gestellt worden sein (Nähere Infos dazu weiter unten im Beitrag)

Falls Sie im Einzelfall Fragen zu den Voraussetzungen haben, kontaktieren Sie am besten Ihre Pflegekasse und lassen sich dort beraten. 

Verhinderungspflege: Welche Leistungen werden anerkannt?

Zur Verhinderungspflege gehören alle Leistungen, die der pflegende Angehörige auch übernimmt. Darunter fällt die Grundpflege, die z. B. alle Aufgaben im Bereich der Körperpflege, Unterstützung beim Toilettengang, Hilfe bei der Nahrungsmittelaufnahme sowie die Förderung der Mobilität des Pflegebedürftigen einschließt. 

Auch Haushaltsdienstleistungen werden in der Verhinderungspflege übernommen. Hierunter fallen alle Aufgaben, die alltäglich im Haushalt anfallen, wie die Reinigung der Wohnung, Wäsche waschen, Garten- oder handwerkliche Arbeiten. Darüber hinaus können auch Betreuungsleistungen wie z. B. die Seniorenbetreuung geltend gemacht werden. 

Übrigens: Wenn Sie diese Leistungen bei der Pflegekasse nicht als Verhinderungspflege anrechnen lassen können, können Sie unter Umständen bestimmte Leistungen im privaten Haushalt als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich absetzen

Die Behandlungspflege (z. B. die Ausgabe von Medikamenten) gehört nicht zu den Leistungen der Verhinderungspflege. Diese muss durch examiniertes Pflegepersonal durchgeführt werden und wird nicht von der Pflege-, sondern von der Krankenkasse übernommen. 

Verhinderungspflege: Wer kann sie übernehmen?

Wer als Vertretung während der Pflegeauszeit einspringt, entscheidet der Pflegebedürftige letztendlich selbst. Folgende Personen können die Verhinderungspflege übernehmen:

  1. Erwerbsmäßige Pflegekräfte, z. B. ambulante Pflegedienste,

  2. nicht erwerbsmäßige Pflegekräfte z. B. Nachbarn oder Bekannte,

  3. nahe Verwandte bzw. Verschwägerte und Personen, die im selben Haushalt leben.

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Wie viel lässt sich über die Verhinderungspflege abrechnen?

Die Höhe der Leistungen ist davon abhängig, wer die Verhinderungspflege ausführt. Es wird unterschieden zwischen Pflegepersonen, die 

  • mit der pflegebedürftigen Person nicht bis zum zweiten Grade verwandt oder verschwägert sind und nicht im gleichen Haushalt leben und

  • Personen, die nahe Verwandte sind, in häuslicher Gemeinschaft leben und die Pflege nicht erwerbsmäßig ausüben.

Nicht verwandte Pflegepersonen

Ist die Pflegeperson nicht verwandt bzw. verschwägert und lebt nicht im gleichen Haushalt, können bis zu 1.612 Euro in Anspruch genommen werden.

Nahe Verwandte als Pflegeperson

Nahe Verwandte können grundsätzlich nur den 1,5-Fachen Betrag vom Pflegegeld des jeweiligen Pflegegrades erhalten. Jedoch können notwendige Aufwendungen wie z. B. Fahrtkosten oder Verdienstausfall geltend gemacht werden, sodass die Leistungen insgesamt bis zu 1.612 Euro betragen. Dies gilt auch, wenn nahe Angehörige die Pflege erwerbsmäßig ausführen.

Kombination von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Laut SGB XII kann sich der Betrag der Verhinderungspflege erhöhen, wenn Leistungen aus der Kurzzeitpflege nicht in Anspruch genommen wurden. Bis zu 50% des Leistungsbetrags der Kurzzeitpflege, also 806 Euro, können pro Kalenderjahr für die Verhinderungspflege verwendet werden. Es stehen also bis zu 2.418 Euro jährlich zur Verfügung.

Erhält man Pflegegeld trotz stundenweiser Verhinderungspflege?

Sie erhalten bei der Inanspruchnahme der Verhinderungspflege weiterhin Pflegegeld. Die Höhe hängt jedoch von der Dauer ab, in der die Verhinderungspflege genutzt wird. Wird die Verhinderungspflege über mehrere Tage hinweg in Anspruch genommen, wird anteilig die Hälfte des Pflegegeldes weitergezahlt. Am ersten und letzten Tag jedoch der volle Betrag.

Übersichtstabelle zu Leistungen der Verhinderungspflege 

Pflegegrad


Verhinderungspflege durchgeführt von
nahen Angehörigen


Verhinderungspflege durchgeführt von sonstigen Personen

 

Maximal Leistungen für bis zu 6 Wochen im Kalenderjahr in Euro

Maximal Leistungen für bis zu 6 Wochen im Kalenderjahr in Euro 

1

-

-

2

474 (1,5-Faches von 316)

1.612

3

817,50 (1,5-Faches von 545)

1.612

4

1.092 (1,5-Faches von 728)

1.612

5

1.351,50 (1,5-Faches von 901)

1.612

Stand: 2019

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege: Wo liegt der Unterschied?

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege ähneln sich in vielerlei Hinsicht, jedoch gibt es auch den einen oder anderen Unterschied. 

Sowohl bei der Verhinderungspflege als auch bei der Kurzzeitpflege handelt es sich um eine Übergangspflege. Die Verhinderungspflege kann ambulant und/oder teilstationär durchgeführt werden, während die Kurzzeitpflege in der Regel nur stationär durchgeführt wird. 

Außerdem ist bei der Verhinderungspflege u. a. eine Vorauspflege von mindestens 6 Monaten erforderlich. Bei der Kurzzeitpflege hingegen ist keine Vorauspflege Voraussetzung. 

Zudem können auch ungelernte Helfer die Verhinderungspflege durchführen. Dies ist bei der Kurzzeitpflege nicht möglich.

Stundenweise Verhinderungspflege – das ist der Vorteil:

Bei einer stundenweisen Verhinderungspflege wird die Ersatzpflege nur für ein paar Stunden in Anspruch genommen, z. B. wenn der pflegende Angehörige an einem Abend ins Theater gehen möchte und deshalb für ein paar Stunden eine Ersatzpflegeperson gebraucht wird, die für ihn einspringt. 

Diese Leistung kann pro Tag bis zu 8 Stunden dauern. Ein großer Vorteil der stundenweisen Verhinderungspflege ist es, dass der volle Betrag des Pflegegelds weiterhin ausgezahlt wird. Dauert die Verhinderungspflege jedoch über mehrere Tage (mehr als 8 Stunden) hinweg, erhält man nur 50 % des Pflegegeldes – am ersten und letzten Tag einer längeren Verhinderungspflege wird weiterhin das volle Pflegegeld bezahlt. 

Die stundenweise Verhinderungspflege ist für Angehörige attraktiv, die ihre Liebsten nicht so lange in fremde Obhut geben möchten. Sie ist zudem nicht auf einen bestimmten Stundensatz festgelegt. 

Über unser Online-Portal Pflegix können pflegende Angehörige online und deutschlandweit nach passenden Helfern zu ihrem gewünschten Stundensatz in ihrer Nähe suchen. Die Helfer bieten stundenweise Verhinderungspflege im Bereich der häuslichen Pflege, Alltagshilfe und bei Betreuungsdienstleistungen an. 

Verhinderungspflege-Antrag: So stellt man ihn richtig

Um Leistungen der Verhinderungspflege zu erhalten, ist es wichtig, einen Antrag zu stellen. Darin wird unter anderem abgefragt:

  • Pflegegrad des Pflegebedürftigen

  • Dauer der bereits erfolgten Pflege

  • Person, die die Verhinderungspflege übernimmt

  • Zeitraum für die Ersatzpflege

Sobald der Antrag ausgefüllt ist, kann dieser bei der jeweiligen Krankenkasse oder bei der Pflegeversicherung eingereicht werden. Dies kann durch den Versicherten selbst erfolgen. Er kann aber auch eine Person bevollmächtigen, dies für ihn zu erledigen, wenn er selbst nicht (mehr) in der Lage dazu ist. Sie finden diesen Antrag meistens auf der Seite der jeweiligen Krankenkasse.

Liste: Verhinderungspflege-Antrag von AOK, TK und mehr

Hier finden Sie den Antrag für die Verhinderungspflege verschiedener Krankenkassen:

Ist stundenweise Verhinderungspflege rückwirkend beantragbar?

Ja, es ist möglich, stundenweise Verhinderungspflege auch noch rückwirkend zu beantragen. Auch hierfür müssen der Verhinderungspflege-Antrag sowie die Quittungen und Belege der Ersatzpflegepersonen ausgefüllt und verschickt werden. Es ist also nicht zwingend erforderlich, Verhinderungspflege im Voraus zu beantragen – die Praxis zeigt zudem, dass dies oftmals gar nicht möglich ist. 

Tipp: Bewahren Sie alle Quittungen und Belege, die mit der Pflege im Zusammenhang stehen, sicher auf, um diese dann später der Pflegekasse vorlegen zu können.

Wann verfällt der Anspruch auf Verhinderungspflege?

Die Verjährungsfrist für Sozialleistungen wie Verhinderungspflege beträgt laut § 45 Abs. I SGB I vier Jahre. Während dieser Zeit lassen sich Leistungen noch nachträglich anrechnen.

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Ist die stundenweise Verhinderungspflege steuerpflichtig?

Des Öfteren taucht die Frage auf, ob die Leistungen der Verhinderungspflege steuerpflichtig sind. Dies hängt davon ab, welche Person die Verhinderungspflege durchführt, wie oft diese durchgeführt wird und bei wie vielen Personen sie durchgeführt wird. 

Für nahe pflegende Angehörige ist die Verhinderungspflege steuerfrei. Da es sich hier um eine Sozialleistung handelt, muss der Pflegebedürftige selbst auch keine Steuern zahlen. 

Generell gilt: Wer jemanden pflegt, dafür Lohn erhält und sich unsicher ist, ob er Steuern zahlen muss, sollte sich mit seinem Finanzamt absprechen. Generell ist die Höhe des Einkommens entscheidend, ob Steuern gezahlt werden müssen oder nicht.

Keine Verhinderungspflege bei Pflegegrad 1 – warum eigentlich nicht?

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 erhalten keine Verhinderungspflege, da sie nur gering in ihrer Selbstständigkeit und ihren Fähigkeiten beeinträchtigt sind. Die Verhinderungspflege ist nur für Menschen gedacht, die eine intensivere Pflege benötigen und daher bereits auf Pflegegrad 2 eingestuft worden sind. 

Allerdings erhalten Personen mit Pflegegrad 1 einen Entlastungsbetrag für pflegende Angehörige in Höhe von 125 Euro, z. B. für die teilstationäre Tages- und Nachtpflege, für die Kurzzeitpflege, ambulante Pflege oder auch für sogenannte “Angebote zur Unterstützung im Alltag”.

Verhinderungspflege und Demenz: Was gilt es zu beachten?

Bereit seit 2015 bekommen Demenzkranke und deren Angehörige höhere finanzielle Unterstützung von den Pflegekassen. Seit dem 01.01.2017 wurde nun noch einmal eindeutig festgelegt, dass Demenzkranke Anspruch auf Verhinderungspflege sowie auch auf die stundenweise Verhinderungspflege haben. 

Durch die neue Pflegereform wurden die Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt. Demenzkranke, die sich vorher auf Pflegestufe 0 befanden und keine Leistungen der Pflegekasse erhalten haben, sind nun dem Pflegegrad 2 zugeordnet und erhalten damit dieselben Leistungen wie pflegebedürftige Personen mit körperlichen Einschränkungen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, Verhinderungspflege mit der Kurzzeitpflege zu kombinieren.

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Fazit: Stundenweise Verhinderungspflege als Entlastung pflegender Angehöriger!

Die Verhinderungspflege bietet pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, von ihren Aufgaben entlastet zu werden. Jährlich können in einem Zeitraum von bis zu 6 Wochen bis zu 1.612 Euro genutzt werden – vorausgesetzt, die Verhinderungspflege wird nicht von nahen Angehörigen oder einem Mitbewohner durchgeführt. In diesem Fall sind die Leistungen auf das 1,5-fache des monatlichen Pflegegeldes beschränkt.  

In Kombination mit den Leistungen der Kurzzeitpflege lassen sich für die Verhinderungspflege sogar bis zu 2.418 Euro anrechnen.

Besonders praktisch ist die stundenweise Verhinderungspflege. Denn bei Einsätzen an einzelnen Tagen mit weniger als acht Stunden pro Tag erhalten pflegende Angehörige weiterhin das volle Pflegegeld, welches bei tageweiser Verhinderungspflege nur anteilig ausgezahlt wird.

Voraussetzung für die Leistungserstattung der Verhinderungspflege ist ein Antrag bei der Pflegekasse. Diese Leistungen lassen sich rückwirkend bis zu 4 Jahre anrechnen. 

Für die Verhinderungspflege können externe Helfer eingesetzt werden, die auf eigene Rechnung vielseitige Aufgaben übernehmen. Viele Tätigkeiten wie die Betreuung oder Aufgaben im Haushalt können auch von nicht-ausgebildeten Helfern übernommen werden. 

Suchen Sie stundenweise Unterstützung, die Sie mit den Leistungen der Verhinderungspflege abrechnen können? Bei Pflegix finden Sie den passenden Helfer in Ihrer Nähe!