Stundenweise Verhinderungspflege: So profitieren Angehörige!

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Mit der Verhinderungspflege erhalten pflegende Angehörige eine Entlastung von bis zu 1.612 Euro im Jahr. Wer leistungsberechtigt ist und wie man stundenweise Verhinderungspflege beantragt, erfährst Du in diesem Beitrag.

Stundenweise Verhinderungspflege: die 6 wichtigsten Infos vorab

  1. Verhinderungspflege können Pflegebedürftige erhalten, die mindestens Pflegegrad 2 besitzen.

  2. Verhinderungspflege kann für maximal 6 Wochen pro Jahr genutzt werden.

  3. Jährlich können maximal 1.612 Euro in Anspruch genommen werden

  4. Die Kosten der Verhinderungspflege übernimmt die Pflegekasse.

  5. Verhinderungspflege ist mit der Kurzzeitpflege kombinierbar, dadurch können sogar bis zu 2.418 Euro im Jahr in Anspruch genommen werden

  6. Verhinderungspflege kann man bis zu 4 Jahre rückwirkend beantragen.

Was versteht man unter Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege ist eine Art Ersatzpflege, die dazu dient, pflegenden Angehörigen eine Pause einzuräumen, wenn sie für einen gewissen Zeitraum die häusliche Pflege nicht übernehmen können. Stattdessen werden die Aufgaben von externen Helfern übernommen.

Insgesamt kann man die Verhinderungspflege für einen Zeitraum von 6 Wochen (42 Tage) im Jahr geltend machen. Zieht sich die Verhinderungspflege über mehrere Tage, erhalten Angehörige weiterhin die Hälfte des Pflegegelds, außedem wird jeweils am ersten und letzten Tag das volle Pflegegeld ausgezahlt.

Stundenweise Verhinderungspflege – wie zeitlich aufteilen? Ein Beispiel

Wie die Verhinderungspflege aufgeteilt wird, bleibt pflegenden Angehörigen selbst überlassen. Sie können stundenweise Verhinderungspflege, tageweise, einzeln oder am Stück erhalten. Folgendes Beispiel zeigt dies:

Lisa betreut ihre Mutter in häuslicher Pflege. Sie benötigt dreimal die Woche eine Seniorenbetreuung, die stundenweise für ihre Mutter kocht, sich mit ihr unterhält und sie zu Arztbesuchen begleitet. Ab und zu beauftragt sie auch eine Haushaltshilfe, die Lisa bei der Grundreinigung des Hauses unterstützt. Pro Woche kommt sie so auf etwa 12 Stunden. Sie lässt sich dafür im Jahr insgesamt 3,5 Wochen anrechnen.

Wann wird Verhinderungspflege in Anspruch genommen?

Gründe dafür gibt es viele. Zum Beispiel möchten pflegende Angehörige Urlaub machen oder fallen selbst kurzfristig krankheitsbedingt aus.

Verhinderungspflege wird auch genutzt, wenn die pflegenden Angehörigen z. B.  einen Arzttermin haben oder Zeit für andere Erledigungen benötigen. Möglich sind auch berufsbedingte Termine oder Freizeitaktivitäten.

Natürlich kann jederzeit auch einen unvorhersehbaren Grund geben, wie z. B. ein Unfall. In diesem Fall wird kurzfristig eine Ersatzpflegeperson benötigt, die die Pflege und Betreuung übernimmt.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Verhinderungspflege?

Um Leistungen der Verhinderungspflege von den Pflegekassen zu erhalten, benötigt der Pflegebedürftige mindestens Pflegegrad 2. Außerdem muss das Pflegeverhältnis zwischen dem Angehörigen und dem Pflegebedürftigen bereits länger als ein halbes Jahr bestehen.

Außerdem muss der Gepflegte mindestens für 10 Stunden pro Woche gepflegt worden sein. Um das Verhinderungspflegegeld letztendlich zu erhalten, muss ein Verhinderungspflege-Antrag gestellt worden sein. (Nähere Infos dazu weiter unten im Beitrag)

Verhinderungspflege: Welche Leistungen werden anerkannt?

Zur Verhinderungspflege gehören alle Leistungen, die der pflegende Angehörige auch übernimmt. Darunter fällt die Grundpflege, die alle Aufgaben im Bereich der Körperpflege, Unterstützung beim Toilettengang, Hilfe bei der Nahrungsmittelaufnahme sowie die Förderung der Mobilität des Pflegebedürftigen einschließt.

Auch Haushaltsdienstleistungen werden in der Verhinderungspflege übernommen. Hierunter fallen alle Aufgaben, die alltäglich im Haushalt anfallen, wie die Reinigung der Wohnung, Wäsche waschen, Garten- oder handwerkliche Arbeiten. Darüber hinaus können auch Betreuungsleistungen, z. B. die Seniorenbetreuung geltend gemacht werden.

Übrigens: Wenn Du diese Leistungen bei der Pflegekasse nicht Verhinderungspflege anrechnen lassen kannst, kannst Du sie als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich absetzen.

Die Behandlungspflege (z. B. die Ausgabe von Medikamenten) gehört nicht zu den Leistungen der Verhinderungspflege. Diese muss durch ein examiniertes Pflegepersonal durchgeführt werden und wird nicht von der Pflege-, sondern von der Krankenkasse übernommen.

Verhinderungspflege: Wer kann sie übernehmen?

Wer als Vertretung während der Pflegeauszeit einspringt, entscheidet der Pflegebedürftige letztendlich selbst. Es kann ein naher Verwandter sein, wie z. B. die Tochter oder der Sohn oder aber auch Freunde, selbstständige Seniorenbetreuer oder auch ein ambulanter Pflegedienst. Möglich ist auch die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung, diese muss jedoch von der Pflegekasse anerkannt sein.

Wie viel lässt sich über die Verhinderungspflege abrechnen?

Pro Jahr können für die Verhinderungspflege für Personen der Pflegegrade 2 bis 5 bis zu 1.612 Euro in Anspruch genommen werden. Laut SGB XII kann sich der Betrag um 806 Euro erhöhen, wenn Leistungen aus der Kurzzeitpflege nicht in Anspruch genommen wurden.

Erhält man Pflegegeld trotz stundenweiser Verhinderungspflege?

Ja, man erhält bei der Inanspruchnahme der Verhinderungspflege weiterhin Pflegegeld. Die Höhe hängt jedoch von der Dauer ab, in der die Verhinderungspflege genutzt wird.

Stundenweise Verhinderungspflege – das ist der Vorteil:

Bei einer stundenweisen Verhinderungspflege wird die Ersatzpflege nur für ein paar Stunden in Anspruch genommen, z. B. wenn der pflegende Angehörige an einen Abend ins Theater gehen möchte und deshalb für ein paar Stunden eine Ersatzpflegeperson gebraucht wird, die für ihn einspringt.

Diese Leistung kann pro Tag bis zu 8 Stunden dauern.  Ein großer Vorteil der stundenweisen Verhinderungspflege ist es, dass der volle Betrag des Pflegegelds weiterhin ausgezahlt wird. Dauert die Verhinderungspflege jedoch über mehrere Tage (mehr als 8 Stunden) hinweg, erhält man nur 50 % des Pflegegelds – am ersten und letzten Tag einer längeren Verhinderungspflege wird weiterhin das volle Pflegegeld bezahlt.

Die stundenweise Verhinderungspflege ist für Angehörige attraktiv, die ihre Liebsten nicht so lange in fremde Obhut geben möchten, sie ist zudem nicht auf einen bestimmten Stundensatz festgelegt. Über das Portal Pflegix können pflegende Angehörige online und deutschlandweit nach passenden Helfern zu ihren gewünschten Stundensatz in ihrer Nähe suchen. Die Helfer bieten stundenweise Verhinderungspflege im Bereich der häuslichen Pflege, Alltagshilfe, bei Betreuungsdienstleistungen an.

Verhinderungspflege durch Verwandte: Wie viel Leistungen erhält man?

Es macht einen Unterschied, ob die Verhinderungspflege durch einen Angehörigen zweiten Grades bzw. auch eines Mitgliedes des Haushaltes oder einer externen Person durchgeführt wird. In diesen Fällen wird die jährliche Höchstsatz der Verhinderungspflege auf das 1,5-Fache des monatlichen Pflegegeldes gedeckelt.

Rechenbeispiel Pflegegeld:

Berechnung des 1,5-fachen des jeweiligen Pflegegeldes (bei Pflegegrad 3)

Rechenweg Betrag

Pflegegeld der jeweiligen Pflegegrade

545,00 EUR

/ 28 Tage (4 Wochen Fortzahlung Pflegegeld)

19,46 EUR

x 42 Tage ( maximale Dauer für die Inanspruchnahme Verhinderungspflege)

817,50 EUR

= 1,5-faches Pflegegeld

817,50 EUR

Verhinderungspflege-Antrag: So stellt man ihn richtig

Um Leistungen der Verhinderungspflege zu erhalten, ist es wichtig, einen Antrag zu stellen. Darin wird unter anderem angefragt:

  • Pflegegrad des Pflegebedürftigen

  • Dauer der bereits erfolgten Pflege

  • Person, die die Verhinderungspflege übernimmt

  • Zeitraum für die Ersatzpflege

Sobald der Antrag ausgefüllt ist kann dieser bei der jeweiligen Krankenkasse oder Pflegeversicherung eingereicht werden, dies kann durch den Versicherten selbst erfolgen. Er kann aber auch eine Person bevollmächtigen, dies für ihn zu erledigen, wenn er selbst nicht mehr in der Lage dazu ist. Sie finden diesen Antrag meistens auf der Seite der jeweiligen Krankenkasse.

 

Anträge für die Verhinderungspflege verschiedener Krankenkassen:

 

Ist stundenweise Verhinderungspflege rückwirkend beantragbar?

Ja, es ist möglich stundenweise Verhinderungspflege auch noch rückwirkend zu beantragen. Auch hierfür muss der Verhinderungspflege-Antrag ausgefüllt und verschickt werden sowie die Quittungen und Belege der Ersatzpflegepersonen. Es ist also nicht zwingend erforderlich, Verhinderungspflege im Voraus zu beantragen – die Praxis zeigt zudem, dass dies oftmals auch gar nicht möglich ist.

Tipp: Bewahre alle Quittungen und Belege, die mit der Pflege im Zusammenhang stehen, sicher auf, um diese dann später der Pflegekasse vorzulegen.

Wann verfällt der Anspruch auf Verhinderungspflege?

Die Verjährungsfrist für Sozialleistungen wie Verhinderungspflege beträgt vier Jahre (§ 45 Abs. I SGB I) Während dieser Zeit lassen sich Leistungen noch nachträglich anrechnen.

Ist die stundenweise Verhinderungspflege steuerpflichtig?

Des Öfteren taucht die Frage auf, ob die Leistungen der Verhinderungspflege steuerpflichtig sind. Dies hängt davon ab, welche Person die Verhinderungspflege durchführt, wie oft diese durchgeführt wird und bei wie vielen Personen sie durchgeführt wird.

Für nahe pflegende Angehörige ist die Verhinderungspflege steuerfrei. Da es sich hier um eine Sozialleistung handelt, muss der Pflegebedürftige selbst auch keine Steuern zahlen.

Generell gilt: Wer jemanden pflegt, dafür Lohn erhält und sich unsicher ist, ob er Steuern zahlen muss, sollte sich mit seinem Finanzamt absprechen. Generell ist die Höhe des Einkommens immer entscheidend, ob Steuern gezahlt werden müssen.

Keine Verhinderungspflege bei Pflegegrad 1 – warum eigentlich nicht?

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 erhalten keine Verhinderungspflege, da sie nur gering in ihrer Selbstständigkeit und ihren Fähigkeiten beeinträchtigt sind. Die Verhinderungspflege ist nur für Menschen gedacht, die eine intensivere Pflege brauchen und daher bereits auf Pflegegrad 2 eingestuft worden sind.

Allerdings erhalten Personen mit Pflegegrad 1 einen Entlastungsbetrag für pflegende Angehörige in Höhe von 125 Euro z. B. für die teilstationäre Tages-, Nachtpflege, für die Kurzzeitpflege, ambulante Pflege oder auch für sogenannte “Niedrigschweillige (Betreuungs-)Angebote”.

Verhinderungspflege und Demenz: Was gilt hier zu beachten?

Bereit seit 2015 bekommen an Demenz Erkrankte und deren Angehörigen mehr finanzielle Unterstützung von den Pflegekassen. Seit dem 01.01.2017 wurde nun noch einmal eindeutig festgelegt, dass Demenzkranke Anspruch auf Verhinderungspflege sowie auch auf die stundenweise Verhinderungspflege haben.

Durch die neue Pflegereform wurden die Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt. Demenzkranke die sich vorher auf Pflegestufe 0 befanden und keine Leistungen der Pflegekasse erhalten haben, sind nun dem Pflegegrad 2 zugeordnet worden und erhalten damit dieselben Leistungen wie pflegebedürftige Personen mit körperlichen Einschränkungen. Außerdem haben sie die Möglichkeit Verhinderungspflege mit der Kurzzeitpflege zu kombinieren.

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege: Wo liegt der Unterschied?

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege ähneln sich in vielerlei Hinsicht, jedoch gibt es auch den einen oder anderen Unterschied.

Sowohl bei der Verhinderungspflege als auch bei der Kurzzeitpflege handelt es sich um eine Übergangspflege. Die Verhinderungspflege kann ambulant und/oder auch teilstationär durchgeführt werden, während die Kurzzeitpflege in der Regel nur stationär durchgeführt wird.

Außerdem ist bei der Verhinderungspflege eine Vorauspflege von mindestens 6 Monaten erforderlich und der Pflegebedürftige muss mindestens auf Pflegegrad 2 eingestuft sein. Bei der Kurzzeitpflege hingegen ist eine Vorauspflege nicht erforderlich.

Zudem kann die Verhinderungspflege auch ungelernte Helfer durchführen, dies ist bei der Kurzzeitpflege nicht möglich.

Fazit zur stundenweise Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege bietet pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, von ihren Aufgaben entlastet zu werden. In Kombination mit den Leistungen der Kurzzeitpflege lassen sich hier bis zu 2.418 Euro anrechnen – vorausgesetzt die Verhinderungspflege wird nicht von verwandten zweiten Grades oder einem Mitbewohner durchgeführt. In diesem Fall sind die Leistungen auf das 1,5-fache des monatlichen Pflegegeldes beschränkt.  

Die stundenweise Verhinderungspflege können externe Helfer, die auf eigene Rechnung  arbeiten, übernehmen. Viele Tätigkeiten, wie die Betreuung oder Aufgaben im Haushalt, können auch von nicht-ausgebildeten Helfern übernommen werden.

Besonders praktisch ist die die stundenweise Verhinderungspflege. Denn bei Einsätzen an einzelnen Tagen mit weniger als acht Stunden erhalten pflegende Angehörige weiterhin das volle Pflegegeld.

Voraussetzung für die Leistungserstattung der Verhinderungspflege ist ein Antrag bei der Pflegekasse. Diese lassen sich rückwirkend bis zu 4 Jahre anrechnen.

 

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